Die Abschnittskontrolle – ein Gewinn für alle

Dr. Detlev Lipphard, DVR-Referatsleiter Straßenverkehrstechnik

Ein Schild mit der Aufschrift „Section Control“ vor einem hellblauen Himmel mit weißen Wolken.
„Section Control“ ist ein wichtiger Schritt für mehr Verkehrssicherheit. Foto: Stockwerk-Fotodesign, Nr. 74497513, Adobe Stock

Die Abschnittskontrolle (Section Control) wurde als erstes auf einer Pilotstrecke in Niedersachsen von 2018 bis 2020 mit großen Erfolg getestet. Eine Einführung in das Erfolgskonzept für die Verkehrssicherheit.

Die Abschnittskontrolle (Section Control) ist eine innovative Technik zur Tempoüberwachung. Die Geschwindigkeit wird nicht nur an einer Stelle, sondern über eine längere Strecke gemessen. Entscheidend ist also das Durchschnittstempo. In Deutschland ist diese Art der Überwachung zwar neu, aber in mehreren Nachbarländern wird sie bereits seit vielen Jahren mit Erfolg eingesetzt. Die Wirkungen hinsichtlich der gefahrenen Geschwindigkeiten und der Verkehrssicherheit sind durchgängig positiv.

Erfolgreiches Pilotprojekt zur „Section Control“ in Niedersachsen

Die Abschnittskontrolle wurde in Deutschland von 2018 bis 2020 auf einer 2,2 km langen Pilotstrecke südlich von Hannover erfolgreich getestet. Auf dieser vierspurigen, autobahnähnlichen Bundesstraße (B6) war es über viele Jahre immer wieder zu schweren Unfällen gekommen. Das Tempo 100-Schild wurde häufig ignoriert, obwohl die Fahrspuren deutlich schmaler als auf einer Autobahn sind. Außerdem stehen Bäume ohne Schutzplanken ganz nah an der Fahrbahn.

Verzögerter Start der Abschnittskontrolle

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hatte bereits 2010 in einem Vorstandsbeschluss für einen solchen Modellversuch plädiert, nachdem der renommierte Deutsche Verkehrsgerichtstag sich dafür ausgesprochen hatte. Der Start verzögerte sich aber um mehrere Jahre, weil zunächst eine rechtssichere Gesetzesgrundlage geschaffen werden musste.

Dies gelang im Mai 2019 mit dem neuen Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetz. Dieses wurde im November 2019 in letzter Instanz bestätigt. Die Befolgung des sogenannten Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung wurde bestätigt, indem bei Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit die erhobenen Daten sofort automatisch zu löschen sind. Außerdem muss die Abschnittskontrolle fairerweise durch ein Hinweisschild vorher angekündigt werden.

„Section Control“: wichtiger Schritt für mehr Verkehrssicherheit, keine Abzocke

Denn es geht nicht um Abzocke, sondern um die Vermeidung von Unfällen. Das ist auf der Pilotstrecke überzeugend gelungen: Seit der Inbetriebnahme gab es keine Getöteten und Verletzten mehr! Stattdessen ist der Verkehrsfluss harmonischer geworden, weil die meisten Autofahrenden maximal mit Tempo 100 fahren.

Deshalb wird die Abschnittskontrolle voraussichtlich künftig zunehmend auf deutschen Autobahnen und stark befahrenen Landstraßen installiert werden. Wichtigste Voraussetzung für die Auswahl ist, dass es sich um eine geschwindigkeitsbedingte Unfallstrecke handelt. Die Technik ist teuer und relativ aufwändig. Unabhängig davon bleiben die rund 4.500 festinstallierten Blitzer sinnvoll, um Unfallbrennpunkte wirkungsvoll entschärfen zu können. Und die Kontrollen mit mobilen Anlagen etwa vor Schulen natürlich auch. Auch hier kann von Abzocke keine Rede sein.


Niedersächsisches Polizei- und Ordnungsbehördengesetz

Dr. Detlev Lipphard, DVR

Dr. Detlev Lipphard

Dr. Detlev Lipphard ist seit 2008 Referatsleiter für Straßenverkehrstechnik beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Zuvor arbeitete er im Bereich Sicherheitskonzeptionen bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Von 1992 bis 2003 war Lipphard Projektleiter im „Institut für Straßenverkehr“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dr. Lipphard studierte Soziologie und Betriebswirtschaftslehre.

Foto: Privat

1 Kommentar

  1. Geschwindigkeitskontrollen sind generell keine Abzocke, denn es ist ja schließlich niemand gezwungen, schneller als erlaubt zu fahren.

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