Fünf Tipps für den sicheren Start in die Motorradsaison

Matthias Haasper, Institutsleiter des Essener Instituts für Zweiradsicherheit (ifz)

Motorrad, Kurve, Verkehrssicherheit
Wer sicher in die Motorradsaison starten möchte, sollte sich darauf vorbereiten. Neben dem Technik-Check kommt es u. a. auch auf die Fahrfitness an. Foto: DVR

Der Frühling und wärmere Temperaturen locken Motorradfans wieder auf die Straße. Wer sicher mit dem Bike durch die Saison kommen möchte, sollte im Vorfeld entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen. Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) gibt fünf Tipps zum sicheren Start in die Motorradsaison.

1. Motorrad-/Roller-Check: Die wichtigsten Punkte

Nach längerer Standzeit ist es wichtig, sicherheitsrelevante Bauteile des Motorrads oder Rollers gründlich zu checken. Dies ist umso wichtiger für Fahrzeuge, die über den Winter draußen „geparkt“ wurden. Zentrale Bereiche dabei:

  • Bremsanlage: Bremsbeläge und Bremsscheiben ok?
  • Die elektrische Anlage: Funktioniert die komplette Beleuchtung?
  • Fester Sitz zentraler Bauteile und Schrauben: Prüfen und ggf. festziehen.
  • Bereifung: Profiltiefe (mind. 1,6 mm) und Reifenfülldruck (bei kalten Reifen) kontrollieren.

Als nützlichen Helfer gibt es die Saisonstart-Checkliste des ifz.

Wer mit weniger technischem Knowhow zur Sache geht, sollte die Wartung seines Fahrzeuges besser bei einer autorisierten Fachperson durchführen lassen.

2. Fit bleiben und gedanklich aufs Fahren vorbereiten

Ein trainierter Körper kann schneller reagieren, hält länger durch und bleibt aufmerksamer. Ein großes Sicherheitsplus! Kleine Fitness-Übungen lassen sich in den Alltag einbauen. Klassiker wie Liegestütz, Sit-Ups und Kniebeugen passen für jeden und kosten wenig Zeit.

Auch das Durchdenken von Handlungsabläufen abends auf dem Sofa kann helfen, sicherer zu werden. Stellen Sie sich kritische Verkehrssituationen vor und spielen Sie diese gedanklich durch. Sei es der plötzlich abbiegende Gegenverkehr, der Ölfleck in der Kurve, oder der spurwechselnde Pkw. Das kann unsere Chance erhöhen beim nächsten Mal weniger zu erschrecken, die Situation souveräner zu meistern und die Kontrolle zu behalten.

3. Motorradausrüstung checken

Mit ein wenig Pflege bleiben die schützenden Eigenschaften Ihrer Motorradbekleidung noch länger erhalten. Das dient nicht nur dem Aufhübschen. Es erhält den Witterungsschutz und die Klimaregulierungsfunktion, ist also ein Beitrag zur aktiven Sicherheit. Defekte oder in die Jahre gekommene Ausrüstungsteile sollten ausgetauscht werden. Egal wie gut Ihr Helm noch aussieht, es kommt mit der Zeit zu Materialermüdungen. Vor allem sein Innenleben altert. Daher sollten Sie ihn nach etwa fünf bis sieben Jahren austauschen. Das gilt ebenso für die Protektoren in der Bekleidung, auch diese altern.

Übrigens, separate Airbag-Jacken und -Westen werden immer beliebter. Bei einem Sturz oder Aufprall löst das entsprechende System aus und der Airbag entfaltet sich rasend schnell.

4. Die ersten Übungs-Meter auf Roller und Motorrad

Um schnell wieder ein Gefühl für das sichere Zweirad-Handling zu bekommen, sind Übungen abseits des Verkehrs eine gute Einstiegsmöglichkeit. Zum Beispiel Schritttempo fahren, Achten in beide Richtungen und Bremsübungen helfen dabei, wieder „reinzukommen“.

Besser noch ist die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining unter professioneller Anleitung. Neues dazulernen sollte jeder – und das immer wieder, egal ob Anfänger, Wiedereinsteiger oder Fortgeschrittener. Gemeinsam mit dem DVR und dem ADAC liefert das ifz Infos über Motorradtrainings und hilft dabei, das passende Training zu finden.

Eine ständig aktualisierte Trainingsterminübersicht ist das zentrale Element des Portals. Mit Blick auf das Pandemiegeschehen geben die Anbieter gerne Auskünfte über Hygienekonzepte bei der Durchführung der Trainings, denn die sind bestens darauf vorbereitet, wenn es wieder losgeht.

5. Endlich kann die Motorradsaison losgehen: Ab auf die (Land-)Straße

Trotz aller Fahrfreude: Behutsam sollte man sich wieder an die Gesetzmäßigkeiten auf zwei Rädern gewöhnen und sich vorsichtig an Schräglagen herantasten. Entspannt bleiben und defensiv fahren, so lautet das Motto der ersten Stunde.

Gerade nach der längeren, wetterbedingten „Zweirad-Abstinenz“ im Straßenverkehr müssen sich auch „die anderen“, wie Pkw- und Lkw-Lenker erst wieder an die schmale Silhouette der motorisierten Zweiräder gewöhnen. Berücksichtigen Sie das vor allem an Kreuzungen und Einmündungen. Fahren Sie für die anderen erkennbar, machen Sie auf sich aufmerksam und suchen Sie den Blickkontakt.

Vorsicht in Kurvenbereichen

Kurvenbereiche auf Landstraße spielen bei Motorradunfällen eine zentrale Rolle. Statistiken zufolge sind es Linkskurven, die vermehrt zu Problemen führen. Oftmals kommt es nahe der Mittellinie dabei zu Zusammenstößen mit dem Gegenverkehr. Halten Sie in Linkskurven genügend Abstand zur Mittellinie. Rechnen Sie mit entgegenkommenden Fahrzeugen und achten Sie darauf, dass Ihr Oberkörper nicht in die Gegenfahrbahn ragt. Machen Sie sich zudem auf Überraschungen in oder hinter Kurven gefasst. Um rechtzeitig ausweichen oder bremsen zu können, ist es wichtig, bereits vor der Kurve das eigene Tempo deutlich zu reduzieren und anzupassen.

Abstand permanent anpassen

Korrigieren Sie immer wieder Ihren Abstand zum Vorausfahrenden. Da auf Landstraßen höhere Geschwindigkeiten erlaubt sind, müssen die Abstände viel großzügiger bemessen sein als innerorts. Bedenken Sie dabei, dass Sie innerhalb dieses Abstandes im Ernstfall zum Stehen kommen müssen.

Das „Lesen“ der Straße ist ebenfalls sehr wichtig. Winterbedingte Frostaufbrüche können zu bösen Überraschungen führen. Das gilt auch für die sonst so vertraute „Hausstrecke“. Am Anfang lieber misstrauisch bleiben und vorausschauend unterwegs sein.


Die Saisonstart-Checkliste des ifz
Das ifz-Frühlingsspecial
Der ifz-Überblick für Motorradtrainings

Porträtfoto, Matthias Haasper

Matthias Haasper

Diplom-Pädagoge Matthias Haasper ist seit Anfang 2021 Institutsleiter des Essener Instituts für Zweiradsicherheit (ifz). Zuvor war er viele Jahre als Forschungsleiter am ifz tätig. Gemeinsam mit dem ifz-Team setzt er sich für die Zweiradsicherheit ein.

Foto: ifz

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