Für ein sicheres Ankommen – auch nach der Pandemie

Dr. Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

Um meldepflichtige Wege- und Dienstwegeunfälle nachhaltig zu senken, setzen sich die DGUV und der DVR gemeinsam für die Vision Zero ein. Foto: mavoimages, Nr. 191174633, Adobe Stock

Im vergangenen Jahr sind die meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfälle stark zurückgegangen. Ohne pandemiebedingte Effekte sind die Zahlen in den letzten Jahren relativ konstant. Die Vision Zero bleibt das Ziel.

Fällt hinter einer Person am Morgen die Wohnungstür ins Schloss, wird es für die gesetzliche Unfallversicherung interessant. Denn alles, was dem oder der Beschäftigten ab diesem Moment und bis zum Durchschreiten der Außentür der Arbeitsstelle zustößt, kann ein Wegeunfall sein.

Entwicklung der Betriebswege- und Wegeunfälle relativ konstant

Unfälle auf Wegen, die während der Arbeit passieren, sind sogenannte Betriebswegeunfälle. Diese können sich beispielsweise in Betrieben, auf Dienstreisen oder bei der Anfahrt zum Kunden ereignen. Die Zahl beider – Betriebswege- und Wegeunfälle – blieben im Mittel der vergangenen fünf Jahre vor der Corona-Pandemie recht konstant. Die Zahl der Wegeunfälle schwankte zwischen 180.000 und 190.000.

Nicht selten sind die Witterungsbedingungen ein Grund für diese Schwankungen. In ländlichen Räumen spielen auch die klassischen Autounfälle wie Fahrunfälle mit Abkommen von der Fahrbahn und Überholunfälle oder Lkw-Unfälle wie Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen aufgrund von falscher Straßenbenutzung eine große Rolle. Immerhin: Die Wegeunfälle mit tödlichem Ausgang sind weniger geworden: Im Jahr 2019 verunglückten noch 309 Menschen auf ihrem Arbeitsweg, im Jahr 2020 waren es 234.

Corona-Pandemie verantwortlich für geringere Unfallzahlen

So positiv diese Entwicklung ist, wissen wir doch auch, dass sie vor allem der Corona-Pandemie geschuldet ist. Zum einen gingen viele Beschäftigte in Kurzarbeit, zum anderen wechselten jene, denen es möglich war, von der Büropräsenz ins Homeoffice. Die Rechnung ist einfach: Wenn weniger Menschen mit dem Auto oder dem Fahrrad ins Büro fahren, kommt es auch seltener zu Unglücken. Und so nahm die Zahl der Wegeunfälle insgesamt ab: Auf dem Weg zur Arbeit oder von dort wieder nach Hause ereigneten sich 152.773 Unfälle – 18,2 Prozent weniger als 2019.

Wegeunfälle ereignen sich häufig auf dem Weg zur Arbeit oder in den Feierabend

Besonders unfallträchtig sind die Zeiten zwischen 5 und 9 Uhr morgens – also dann, wenn sich viele Arbeitnehmende auf den Weg ins Büro machen – sowie zwischen 13 und 19 Uhr, wenn sie auf dem Weg in den Feierabend sind. Betriebswegeunfälle ereignen sich hingegen hauptsächlich in den Vormittagsstunden. Hier sind vor allem jene Beschäftigte betroffen, die täglich pendeln oder berufsbedingt viel auf den Straßen unterwegs sind und zum Teil weite Strecken außerhalb von Ortschaften zurücklegen müssen: Lkw, die Lebensmittel in Supermärkte liefern, Paketbotinnen und –boten oder auch die mobile Kranken- und Altenpflege, die gerade in ländlichen Räumen durch die weiteren Wege besonders viel Zeit auf der Straße verbringen. Auf ihre Dienste können wir auch während der Pandemie nicht verzichten. Und so ist es wichtig, dass wir ihre und die Sicherheit aller weiterhin fest im Blick haben. Die Vision Zero – eine Welt ohne Arbeitsunfälle und berufsbedingte Erkrankungen – bleibt unsere langfristige Strategie, auch nach der Pandemie.

DGUV und DVR arbeiten gemeinsam für mehr Verkehrssicherheit

Dass Unfälle eines Tages keine fatalen Folgen mehr haben, ist zugegebenermaßen ein ambitioniertes Ziel. Gut, dass wir als gesetzliche Unfallversicherung dabei nicht alleine stehen, sondern uns auf unsere Partner verlassen können. An unserer Seite von Anfang an: der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Über Beratungen, Seminare, Aktionen im Betrieb, Programme, Kampagnen und den Einsatz von Medien nutzen wir gemeinsam die vielen Chancen, Verkehrsunfälle im betrieblichen Kontext zu vermeiden. Das Projekt „Sicher in meiner Region“ für Betriebe und öffentliche Einrichtungen beispielsweise wertet Wege und Dienstwege in verschiedenen Regionen Deutschlands aus und identifiziert so regionale Gefahrenstrecken. Diese Strecken werden über die Webseite als reale und animierte Videos zum Selbstlernen zur Verfügung gestellt.

Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen: Thema der Schwerpunktaktion 2022

Die Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen wird auch Thema der gemeinsamen Schwerpunktaktion von DVR und gesetzlicher Unfallversicherung 2022 sein. Darin wollen wir Beispiele für häufige Unfallszenarien in ländlichen Gebieten von der Schulbushaltestelle bis hin zum Überholunfall darstellen und aufzeigen, wie diese vermieden werden können. Zusammen haben DVR und Unfallversicherungsträger auch sogenannte Eco Safety Trainings entwickelt. Das sind zertifizierte Trainingsprogramme, die sicheres und gelassenes Fahrverhalten im Realverkehr üben. Kleiner Nebeneffekt: Mit etwas Fahrökonomie erreicht man nicht nur mehr Sicherheit im Straßenverkehr, es können auch die Kosten wirksam gesenkt und die Umwelt geschont werden. Generell gilt: Ausgeruht und rücksichtsvoll fährt es sich am besten. Damit und mit dem gemeinsamen Know-how von DVR und Unfallversicherungsträgern schaffen wir es, unserem gemeinsamen Ziel, der Vision Zero, näher zu kommen.


Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Sicher in meiner Region

Dr. Stefan Hussy

Dr. Stefan Hussy ist seit 1. Juli 2019 Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Dr. Hussy ist promovierter Ingenieur. Zuletzt war er Mitglied der Geschäftsführung der BGHW. Schwerpunkt seiner Tätigkeiten war der Bereich Prävention.

Foto: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV

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