Landstraße: Was ist das eigentlich?

Julia Fohmann, DVR-Referatsleiterin Presse

Landstraße, Verkehrssicherheit, Was ist eine Landstraße
Die eine Landstraße gibt es nicht. Generell gelten alle Straßen außerhalb von Ortschaften als Landstraße. Foto: Mahey, Nr. 17556065, Adobe Stock

Ob längere Strecke über Land oder kürzere Strecke in den Nachbarort: Wir alle haben schon mit dem Auto, dem Fahrrad, vielleicht auch zu Fuß Wege über Landstraßen zurückgelegt. Aber kann man überhaupt von „der Landstraße“ sprechen? Was ist eigentlich eine Landstraße? Eine Erklärung für den Sammelbegriff.

Warum es die eine Landstraße nicht gibt

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, es gibt nicht die eine Landstraße, die vordefinierte Maße erfüllt und immer identisch aussieht. Laut der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen e.V. (FGSV) sind als Landstraßen alle Straßen zu bezeichnen, die außerhalb von Ortschaften verlaufen – mit Ausnahme von Bundesautobahnen. Ab dem Moment, ab dem man das Ortsausgangsschild passiert, befindet man sich automatisch auf einer Außerortsstraße, einer Landstraße. Dem entspricht auch die Klassifizierung in der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamts: Dort werden sämtliche Straßen, die nicht durch Orte führen und keine Bundesautobahnen sind, als Außerortsstraßen bezeichnet.

Zuständigkeiten für Landstraßen

Dennoch unterscheiden sich Landstraßen. Zum Beispiel in ihrer Zuständigkeit. Zuständig für Straßen sind in Deutschland generell die so genannten Baulastträger. Das können der Bund, die Länder oder auch die Kreise, Städte und Gemeinden sein. Wer der Baulastträger der jeweiligen Straße ist, zeigt in der Regel der Buchstabe an, der einer Straßennummer vorangestellt ist.

Buchstaben als Kennung für die Baulast der Landstraße

Ein Beispiel: Die B96 führt von Zittau in Sachsen bis nach Sassnitz in Rügen. Sie ist eine lange, überregionale Straße. Das „B“ steht für Bundesstraße. Baulastträger der B96 ist der Bund.

Analog steht das „L“ für Landesstraße. Bei Straßen, die mit einem „L“ gekennzeichnet sind, ist der Baulastträger das jeweilige Bundesland, durch das die Straße führt. Bayern und Sachsen sprechen allerdings nicht von Landesstraßen, sondern von Staatsstraßen. Das Kürzel hierfür lautet „St“. Viele Straßen kennzeichnen ein „K“ plus Nummer. Hierbei handelt es sich um so genannte Kreisstraßen.

Übrigens: Ob es sich um eine Landesstraße, Staatsstraße, Kreis- oder Bundesstraße handelt, auf der man gerade unterwegs ist, verraten oftmals so genannte Stationszeichen. In der Regel stehen sie seitlich am Fahrbahnrand zwischen Leitpfosten. Manchmal werden die Leitpfosten selbst als Stationszeichen verwendet. Da sich die Bundesländer um die Anbringung kümmern, können die Zeichen je nach Bundesland unterschiedlich aussehen.

Wann sich die Zuständigkeiten für Landstraßen ändern können

Nicht immer bleiben Landstraßen in derselben Zuständigkeit. Durch infrastrukturelle Maßnahmen, z.B. den Bau einer Autobahn oder Ortsumfahrung, umgangssprachlich Ortsumgehungsstraße, kann eine bisherige Bundesstraße zu einer Landesstraße oder Staatsstraße umgewidmet werden. In solchen Fällen ändern sich der Name der Straße und der Baulastträger.

Zusammengefasst gilt: Bundesstraßen, Landesstraßen/Staatsstraßen, Kreisstraßen, Gemeindestraßen, auch Ortsumfahrungen sind allesamt Landstraßen – unabhängig vom Buchstaben, der sie kennzeichnet.

Bauweisen für Landstraßen

Landstraßen unterscheiden sich auch optisch voneinander. Den Ausschlag dafür, ob eine Straße breit oder schmal angelegt wird, gibt nicht pauschal der Baulastträger an. Sowohl Bundes- als auch Kreisstraßen können mal breiter und mal schmaler angelegt sein. Welche Kriterien entscheiden dann über den Baustandard der Landstraße?

Richtlinien für die Anlage von Landstraßen geben Bauweise vor

Das verraten die so genannten Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL). Sie gelten für Landstraßen in der Zuständigkeit des Bundes, haben aber empfehlenden Charakter für die Länder und Kommunen. In den neuen RAL von 2012 werden Landstraßen in vier Entwurfsklassen kategorisiert. Sie sollen künftig Landstraßen stärker standardisieren, vor allem aber für mehr Sicherheit sorgen.

Keinesfalls werden nun alle bestehenden Landstraßen umgebaut. Die neuen Regelungen sollen jedoch bei Um-, Aus- und Neubaumaßnahmen angewendet werden. Dadurch soll das Landstraßennetz schrittweise an die neuen Richtlinien angepasst werden.


Julia Fohmann

Julia Fohmann ist seit 2018 Pressesprecherin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats und leitet das Referat Presse. Kommissarisch hat sie zudem seit Anfang 2021 die Leitung des Referats Öffentlichkeitsarbeit inne. Julia Fohmann ist ausgebildete Redakteurin und arbeitete vor ihrer Tätigkeit beim DVR für eine Landtagsabgeordneten, eine Agentur und freiberuflich für verschiedene Verlage.

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