Überholen auf der Landstraße – aber sicher!

DVR-Redaktion

Auf einer Landstraße wird ein roter Pkw von einem schwarzen Pkw überholt. Während des Überholvorgangs nähert sich ein Fahrzeug aus der entgegengesetzten Richtung.
Durch unüberlegtes Überholen steigt das Risiko für Unfälle mit schweren Folgen. Foto: DVR

Wer aus Zeitnöten überholt, gewinnt eines kaum: Zeit! Zudem steigt durch unüberlegtes Überholen auf der Landstraße das Risiko für Unfälle mit schweren Folgen. Um sicher zu überholen, sollten Autofahrende stets die Regeln im Blick haben und drei wesentliche Fragen beantworten.

Überholen auf der Landstraße – wenig Zeitersparnis mit hohem Risiko

Jeder Autofahrende kennt die Situation: Ein Lkw oder ein Traktor fährt auf einer zweispurigen Landstraße voraus und es geht einfach nicht voran. Nicht selten löst eine solche Situation einen regelrechten Zwang aus, das vorausfahrende Fahrzeug möglichst schnell zu überholen. Dabei spart man durch einen Überholvorgang im normalen Landstraßenverkehr nicht viel Zeit. Nach einer Untersuchung des ADAC liegt die Zeitersparnis im günstigsten Fall bei nur rund 10 Prozent. Vielmehr führt der Überholdruck in der Regel zu risikoreichen Überholmanövern, bei denen zudem mehr Kraftstoff verbraucht wird.

Durchschnittlich ereignen sich „nur“ etwa ein Viertel aller Unfälle mit Getöteten und Verletzten auf Landstraßen. Allerdings kommen dort knapp 60 Prozent der Verkehrsopfer ums Leben.

Überholunfälle auf Landstraßen: Harte Fakten

Wie hoch das Risiko eines Überholunfalls auf Landstraßen ist, belegt die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamts. Die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2019 weisen 5.172 Unfälle mit der Unfallursache Überholen auf der Landstraße aus.
Damit ereignen sich fast 40 Prozent der Überholunfälle in Deutschland auf den Außerortsstraßen ohne Autobahn.

Klare Regeln fürs Überholen in der Straßenverkehr-Ordnung (StVO)

Schon in der Fahrschule lernt man, wann Überholen erlaubt ist und wann nicht. Doch auch Jahre später sollte man sich die Regeln bewusstmachen.

Wer ein vorausfahrendes Fahrzeug überholen möchte, muss u.a. § 5 der Straßenverkehrsordnung (StVO) beachten.

Absatz 2 regelt:

„Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt.“

§ 5 Absatz 2 StVO

Als Faustregel gilt hier eine Differenz von 20%. Das gegebene Tempolimit darf dabei natürlich nicht überschritten werden!

Drei wesentliche Fragen vor dem Überholen auf der Landstraße

Wer auf der Landstraße überholen möchte, sollte sich vorab diese drei wesentlichen Fragen stellen.

  1. Darf ich überholen?
  2. Kann ich überholen?
  3. Wie überhole ich?

Darf ich überholen?

Das bedeutet, sich vor dem Überholvorgang zu vergewissern, dass ein Überholen auf dem befahrenen Abschnitt zulässig ist, also keine Überholverbote gelten. Entsprechende Verkehrszeichen weisen ein Überholverbot aus. Zu diesen Zeichen zählt auch die durchgezogene Linie in der Fahrbahnmitte. Die Linie untersagt einen Überholvorgang, wenn dafür die Fahrstreifenbegrenzung überfahren oder teilweise überfahren werden muss.
Hinzu kommt das Überholverbot bei unklarer Verkehrslage. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein vorausfahrender Traktor auf freier Strecke blinkt oder merklich das Tempo reduziert. Oft steht ein Abbiegevorgang in den nächsten Feldweg bevor, den man als Nachfolgender möglicherweise gar nicht wahrnimmt. Besonders in solchen Situationen kann es gefährlich werden. Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) kommt es vergleichsweise selten zu Kollisionen zwischen Pkw und landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Bei einem Zusammenprall sind die Auswirkungen jedoch gravierend. Oft erleiden die Unfallbeteiligten lebensgefährliche Verletzungen.

Kann ich überholen?

Seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung muss beim Überholen von Radfahrenden außerhalb geschlossener Ortschaften, ein seitlicher Überholabstand von zwei Metern eingehalten werden.

Wer auf der Landstraße einen Lkw überholen möchte, der mit 60 km/h unterwegs ist, muss sich über die dafür notwendige Strecke sowie Sichtweite im Klaren sein.
Für ein sicheres Überholen als Autofahrender unter Ausschöpfung der maximal erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf der Landstraße, benötigt man in dem genannten Beispiel ca. 350 Meter. Vorausgesetzt, dass der Überholende vor und nach dem Vorgang die Sicherheitsabstände einhalten kann. Um nicht Gefahr zu laufen mit dem Gegenverkehr zu kollidieren, muss der Pkw-Fahrende aber mindestens 600 Meter einsehen können. Das entspricht laut ADAC in etwa der Länge von 14 Leitpfosten. Für den gesamten Überholvorgang muss der Pkw-Fahrende 15 bis 20 Sekunden einkalkulieren, ohne in den Gegenverkehr zu geraten.

Wie überhole ich?

Es muss situativ eingeschätzt werden, ob die gegebenen Abstände und die vorausliegende Strecke für einen Überholvorgang ausreichen. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man einen Rad-, Lkw- oder Traktorfahrenden überholen möchte.  

Bei jedem Überholvorgang auf der Landstraße gilt: Sicherheit geht immer vor Schnelligkeit. Im Zweifel sollte nicht überholt werden, damit alle sicher ans Ziel kommen.


Untersuchung des ADAC zu Überholunfällen auf Landstraßen
Bundesanstalt für Straßenwesen 2017: Aktualisierung des Überholmodells auf Landstraßen
Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zu Unfällen mit Traktoren
ADAC: Überholen auf der Landstraße

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