Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen: Das Schwerpunktthema des DVR 2021-2022

Prof. Dr. Walter Eichendorf, DVR-Präsident

Als Leiteinrichtung dienen Leitpfosten an den Straßenseiten.
Auf Landstraßen sterben jährlich mehr als die Hälfte aller Getöteten im Straßenverkehr. Deshalb nimmt sich der DVR 2021 und 2022 schwerpunktmäßig dem Thema Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen an. Foto: Adam Smigielski, Nr. 840051752, iStock

Keine Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr – das ist das Ziel der Strategie Vision Zero, die der Deutsche Verkehrssicherheitsrat mit all seiner Energie verfolgt.

Die Vision Zero gibt auch die Angriffspunkte der Verkehrssicherheitsarbeit vor: Gefährdungsorientiert ansetzen, Ressourcen möglichst effektiv einsetzen.

Vision Zero: Ländliche Räume brauchen mehr Aufmerksamkeit

Das tut der Deutsche Verkehrssicherheitsrat mit seinem Schwerpunktthema hier auf SicherUnterwegs – der DVR Blog. Mehr als die Hälfte der Getöteten im Straßenverkehr ist durch Unfälle außerhalb von Ortschaften zu beklagen. Wenn wir die Zahl der Getöteten wie auch der Schwerverletzten senken wollen, müssen wir uns also mit der Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen befassen. Wir müssen fragen, wie sich Baumunfälle oder Kollisionen mit dem Gegenverkehr auf Landstraßen besser verhüten lassen. Wir müssen aber auch fragen, warum so viele Zufußgehende und Radfahrende in Außerortslagen verletzt oder getötet werden. Wie kann man das Verkehrssystem in ländlichen Räumen sicher gestalten?

Gemeinsame Arbeit am neuen Schwerpunktthema

Daran arbeitet der DVR in 2021 und 2022 sehr intensiv unter Einbeziehung aller Mitgliedsorganisationen, Expertinnen und Experten und aller, die gute Ideen einbringen können, wie wir die Vision Zero in ländlichen Räumen erreichen können.

Diese Fragestellung ist höchst komplex. Die meisten Unfälle haben mehrere Ursachen und damit auch Ansatzpunkte für die Präventionsarbeit. War die Fahrerin vielleicht müde oder abgelenkt? Hätte ein modernes Assistenzsystem eingreifen können? Wie waren die Sichtbeziehungen an der Einmündung? Fehlte hier eine Schutzplanke? Hätte der Radweg nicht vom Rest der Straße abgetrennt werden können? Gibt es genug Querungsstellen für Zufußgehende? Warum fährt hier kein Bus?

Umfassende Diskussion über Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen

Wir wollen die Diskussion um die Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen umfassend führen, Diskussionsplattform sein und uns für die richtigen Lösungen mit aller Kraft einsetzen. Damit für alle sichtbar wird, was wir tun und was außerdem getan werden muss, gibt es den SicherUnterwegs – der DVR-Blog.

Hier entsteht ein Spiegelbild des vielfältigen Themas. Informative Fachbeiträge sollen zeigen, wie viele Facetten die Verkehrssicherheit in ländlichen Räumen hat. Hinter den Beiträgen verbergen sich oft komplexe Fachdiskussionen und auch strittige Fragen. Ich lade Sie ein, mitzudiskutieren. Posten Sie einen Kommentar oder melden Sie Sich direkt bei uns. Jede scheinbar noch so kleine Idee kann letztlich Menschenleben retten und darauf kommt es an: Alle kommen an. Keiner kommt um.


Die Strategie Vision Zero

Prof. Dr. Walter Eichendorf, Präsident Deutscher Verkehrssicherheitsrat

Prof. Dr. Walter Eichendorf

Prof. Dr. Walter Eichendorf ist seit 2009 Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Die Themen Prävention und Verkehrssicherheit lagen dem promovierten Astrophysiker schon lange zuvor am Herzen. Als stv. Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung setzte er sich von 1998 bis 2018 für die Vision Zero ein. Zuvor war er u.a. Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, leitete die Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit der heutigen DGUV und das Statistik-Referat des Spitzenverbands.

Foto: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)