Sicherer Fußverkehr auf dem Land

Dipl.-Ing. Roland Stimpel, Vorstand des Fachverbands Fußverkehr FUSS e.V.

Kinder überqueren die Straße über einen Zebrastreifen
Kinder sind besonders gefährdet im Straßenverkehr - auch in ländlichen Räumen. Foto: Photographee.eu, Nr. 261613841, Adobe Stock

Auch in kleinen Orten werden viele Wege gegangen – am häufigsten oft von ganz jungen und sehr alten Menschen, die besonderen Schutz brauchen.

Auf dem Land geht niemand zu Fuß? Doch: Nach der Erhebung „Mobilität in Deutschland“ von 2017 werden im Raumtyp „ländliche Region – kleinstädtischer, dörflicher Raum“ 17 Prozent aller Wege vollständig zu Fuß zurückgelegt. Wie in Groß- und Mittelstädten auch ist es vor allem für sehr junge und alte Menschen eine wichtige Mobilitätsform.

Ältere Menschen und Kinder sind zu Fuß auf dem Land besonders gefährdet

7- bis 10-jährige auf dem Land gehen 25 Prozent ihrer Wege; über 80-jährige sogar 34 Prozent. Für beide Gruppen sind die eigenen Füße das am zweithäufigsten genutzte Verkehrsmittel nach dem Gefahrenwerden oder Fahren im PKW. Sie sind zugleich diejenigen auf der Straße, die den Herausforderungen schnellen Fahrverkehrs nicht gewachsen sind. Es mangelt ihnen oft an Überblick, der Einschätzung von Geschwindigkeit, an eigener Beweglichkeit und rascher Reaktionsfähigkeit auf Unerwartetes.

Auch Dorfstraßen brauchen gute Gehwege

Es braucht für sie Infrastrukturen und Regeln zu ihrem Schutz – die auch allen anderen nützen, die ihre Wege ganz oder teilweise zu Fuß zurücklegen. Von besonderer Bedeutung sind hier die Durchfahrstraßen in Dörfern, die auch Hauptachsen des Fußverkehrs zu lokalen Einrichtungen sind und zu Fuß gequert werden müssen.

Ausreichend breite und von der Fahrbahn getrennte Wege nötig

Erste Voraussetzung für mehr Sicherheit sind ausreichend breite und von der Fahrbahn getrennte Gehwege – in vielen Dörfern leider keine Selbstverständlichkeit. Wo zeitweise eine höhere Fußgängerfrequenz auftritt – etwa auf Schulwegen – brauchen zwei Passanten genügend Bewegungs- und Sicherheitsraum.

Besondere Einbahnstraßen bringen Sicherheit

Diese Anforderungen erscheinen häufig mit der Enge dörflicher Straßen unvereinbar. Hier ist jedoch das Sicherheitsbedürfnis lokaler Verkehrsteilnehmer hoch zu gewichten. Eine Option für Engstellen ist eine kurze, per Ampel wechselweise in beiden Richtungen freigegebene Einbahnstraße oder eine Regelung mit Verkehrszeichen 208 (Vorrang für den Gegenverkehr).  

Getrennte Fußwege außerorts

Eigene getrennte Wege sind auch außerhalb der Ortschaften notwendig, wenn es Wegebeziehungen gibt. Der Fahrbahnrand ist angesichts der hier oft hohen gefahrenen Geschwindigkeiten keine Alternative dazu. Außerorts können diese Wege oft gemeinsam für den Fuß- und Radverkehr angelegt werden.

Sichere Querungen – reduzierte Fahrgeschwindigkeit

Sichere Querungen sollten überall angelegt werden, wo eine nicht nur schwach frequentierte Fahrbahn häufiger die Wege von Fußgängern kreuzt, etwa im Ortszentrum, an Bushaltestellen oder vor Geschäften. Eine Temporeduzierung auf 30 km/h schafft hier zusätzlichen Sicherheitsgewinn. Wo nötig braucht es bauliche Nachhilfe durch Verschwenkungen, Verengungen und Aufpflasterungen der Fahrbahn.

Höhere Lebensqualität durch mehr Sicherheit für den Fußverkehr auf dem Land

All dies erhöht nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern auch die die Lebensqualität vor Ort. Dies ist auch leichte Fahrzeitverlängerungen für den Durchgangsverkehr wert. Eine 500 Meter lange Dorfstraße ist mit 50 km/h in 36 Sekunden bewältigt; mit 30 km/h sind es 60 Sekunden. In dieser Minute präsentieren sich Fahrende als rücksichtsvolle Gäste im Dorf, das ihnen seine Straße zur Verfügung stellt.


Mobilität in Deutschland, 2017
Fachverband für Fußverkehr: FUSS e.V.

Roland Stimpel

Roland Stimpel

Dipl.-Ing. Roland Stimpel ist Stadt- und Regionalplaner, Vorstand des Fachverbands Fußverkehr FUSS e.V. in Berlin und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).

Foto: Silke Reents

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