Mehr Sicherheit durch Modernisierung des Landstraßennetzes

Leon Gärtner, Referent für Verkehrs- und Infrastrukturpolitik, Pro Mobilität – Initiative für Verkehrsinfrastruktur e.V.

Landstraße Baustelle Absperrung Leitbaken
Die Sicherheit und Verfügbarkeit der deutschen Straßeninfrastruktur muss durch Modernisierungsmaßnahmen gewährleistet werden. Foto: Almgren, Nr. 40876488, Adobe Stock

Der massiv angestiegene Straßenverkehr in den vergangenen 20 Jahren belastet das bundesdeutsche Straßennetz erheblich. Bemerkbar macht sich das auch auf den Landstraßen. Damit alle Verkehrsteilnehmenden dort sicher unterwegs sind, braucht es stetige Modernisierungsmaßnahmen. Wie sehen sie aus?

Die Gesamtfahrleistungen sämtlicher Kraftfahrzeuge im Straßenverkehr ist in den vergangenen 20 Jahren um über 30 Prozent gestiegen. Besonders groß war der Anstieg im Güterverkehr, der für gewöhnlich über große und schwere Lkw abgewickelt wird. Durch die stetig steigenden Verkehrsleistungen wird das bundesdeutsche Straßennetz, mit seiner herausragenden Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Versorgungssicherheit der Menschen, in erheblichen Maße belastet. Neben den Bundesfernstraßen (Bundesautobahnen und Bundestraßen) sind Außerortsstraßen bzw. Landstraßen ein unverzichtbarer Teil der deutschen Straßenverkehrsinfrastruktur deren Sicherheit und Verfügbarkeit durch umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen gewährleistet werden muss.

Unfälle auf Landstraßen enden besonders häufig tödlich

In Deutschland ereignen sich, wie auch in vielen weiteren Ländern Europas, die meisten tödlichen Verkehrsunfälle auf Landstraßen. Im Jahr 2020 staben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1.592 Menschen bei Unfällen auf Landstraßen, was einem Anteil von knapp 59 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten entsprach. Trotz des im vergangenen Jahr rückläufigen Unfallgeschehens, auch aufgrund der geringeren Verkehrsleistungen im Zuge der Covid-19-Pandemie, lag damit der Anteil der Getöteten auf Landstraßen ähnlich hoch wie vor Ausbruch der Pandemie. Um die Verkehrssicherheit auf Landstraßen nachhaltig zu verbessern, bedarf es neben fahrzeugspezifischen Sicherheitselementen insbesondere einer Optimierung und Modernisierung der Straßeninfrastruktur.

Marode Infrastruktur als Gefahrenquelle

Neben überhöhter Geschwindigkeit sowie Unaufmerksamkeit und Selbstüberschätzung der Fahrzeugführer ist die bauliche Substanz und Streckenführung der Straßeninfrastruktur ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Frage nach Ursachen für die vergleichsweise hohe Anzahl an Unfällen mit Personenschäden auf Landstraßen. Unübersichtliche Kurven, Kreuzungen, Einmündungen, Hindernisse am Fahrbahnrand aber auch fehlende Fahrbahnmarkierungen und ein schlechter Zustand der Fahrbahndecke stellen für Landstraßen typische Gefahrenquellen dar. Auch wenn es selbstverständlich nicht möglich ist, jeden nach objektiven Maßstäben (s. Sicherheitsaudits) als gefährlich eingestuften Streckenabschnitt neu zu bauen oder von Grund auf zu sanieren, stehen doch zahlreiche Instrumente zur Abminderung der genannten Gefahrenquellen zur Verfügung.

Instrumente zur Modernisierung der Landstraßeninfrastruktur

Im Bereich der Infrastruktur spielt eine ebene und griffige Fahrbahndecke eine wesentliche Rolle für die Verkehrssicherheit. Demnach sollte die Griffigkeit der Fahrbahn regelmäßig überprüft und bei Bedarf durch Sanierungsmaßnahmen wiederhergestellt werden. Dabei sind vor allem Unebenheiten zu vermeiden, die die Ansammlung von Wasser begünstigen und damit auch die Gefahr von Aquaplaning und Glatteisbildung.

Neben dem Zustand der Fahrbahndecke ist ein klar erkennbarer Fahrbahnverlauf bei unterschiedlichen Licht- und Witterungsbedingungen entscheidend. Hierfür sollten die Fahrbahnmarkierungen, im besten Fall hochreflexiv, regelmäßig erneuert werden und an besonders unfallträchtigen Passagen beispielsweise durch Straßenreflektoren, die direkt auf den Linien der Fahrbahnmarkierung montiert werden, ergänzt werden. Da Straßenreflektoren selbst ein Unfallrisiko für Motorradfahrende darstellen, können auch Leitpfosten, Kurventafeln oder Reflektoren an Schutzplanken zur besseren Sichtbarmachung des Fahrbahnverlaufs verwendet werden. Zudem können vor besonders engen Kurvenradien auch Warnschilder in Kombination mit einer Schutzplanke mit Unterzug die Sicherheit erhöhen. Auch dynamische Beschilderungen (Wechselverkehrszeichen) stellen auf gefährlichen Streckenabschnitten zur Warnung vor temporär auftretenden Gefahren wie Nebel oder Blitzeis einen Sicherheitsgewinn dar.

Auch die Seitenraumgestaltung spielt eine elementare Rolle für die Sicherheit auf Landstraßen. So ist zwingend auf die Beschaffenheit des Randstreifens und des Banketts sowie auf mögliche Niveauunterschiede am Fahrbahnrand zu achten. Bei Modernisierungsmaßnahmen sollte die Randstreifenbreite entsprechend der Fahrbahnführung geplant werden und das angrenzende Bankett auf Fahrbahnniveau gebracht und ausreichend befestigt werden. Zur Seitenraumgestaltung gehören zudem Maßnahmen zum Schutz vor Wildtieren, Baumunfällen oder Warnungen vor Einmündungen und Kreuzungen.  Hier sind das Freihalten der Sicht durch regelmäßigen Rückschnitt des Buschwerkes, Schutzplanken mit ausreichend Abstand zum jeweiligen Hindernis, frühzeitige Warnungen bzw. Ankündigungen von Gefahrenstellen durch eindeutige Wegweiser sowie gesonderte Abbiegespuren geeignete und bewährte Maßnahmen.

Investitionsrückstände der Kommunen erschweren Modernisierung

Wie aufgezeigt, stehen ausreichend Instrumente zur Verfügung, um die bauliche Substanz von Landstraßen zu verbessern und damit Gefahrenquellen zu entschärfen oder zu beseitigen. Allerdings wird mit Blick auf die kommunalen Haushalte auch deutlich, dass die Finanzmittel auf absehbare Zeit nicht ausreichen werden, um das Landesstraßennetz in seiner Gesamtheit zu modernisieren. So dominiert nach den erhobenen Daten im KfW-Kommunalpanel 2021 neben der Schul-, die Straßen- und Verkehrsinfrastruktur mit 22,5 Prozent bzw. rund 33,6 Mrd. Euro bei den Investitionsbereichen mit den höchsten wahrgenommenen Rückständen. Auch wenn für viele Maßnahmen deren grundsätzliche Effektivität nachgewiesen ist, bedarf es weiterer Untersuchungen, um die Effizienz dieser Maßnahmen (Kosten-Nutzen-Verhältnis) belastbar quantifizieren zu können. Eine transparente Vergleichbarkeit der verfügbaren Maßnahmen könnte einen effizienten Einsatz der Finanzmittel in einem Landkreis oder Bundesland gewährleisten. Da das Bestandsnetz zudem zu umfangreich ist, um flächendeckend Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu planen und bewerten zu können, werden häufig auf Grundlage von Unfalldatenanalysen jene Abschnitte herausgefiltert, bei denen ohne vorherige Kosten-Nutzen-Analyse ein vergleichsweise starker Rückgang des Unfallgeschehens erwartbar ist. Dagegen könnte im Sinne einer vorausschauenden Sanierung der Landstraßen vermehrt auf preiswerte Maßnahmen, wie die Verbesserung der Fahrbahnmarkierungen oder der Ausstattung mit Schutzplanken, zurückgegriffen werden.


KfW-Kommunalpanel 2021
Pro Mobilität – Initiative für Verkehrsinfrastruktur e.V.

Portraitfoto Mann Leon Gärtner

Leon Gärtner

Leon Gärtner studierte Politikwissenschaft an der Universität Potsdam. Seit 2018 arbeitet er bei „Pro Mobilität – Initiative für Verkehrsinfrastruktur e.V.“ als Referent für Verkehrs- und Infrastrukturpolitik, Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel von Pro Mobilität als gemeinnütziger Verband besteht in der aktiven Mitwirkung an einer weiteren Modernisierung der deutschen Straßenverkehrsinfrastruktur für mehr Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit.

Foto: Pro Mobilität

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