Schulbusse in ländlichen Räumen – Unfallrisiken und Lösungen

Angela Pauka, Präventionsleiterin des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes Oldenburg (GUV OL)

Schulbus Schüler Schülerlotse Stoppschild
Besonders an Schulbushaltestellen ist die volle Aufmerksamkeit Vorbeifahrender gefragt. Foto: Lightfield Studios, Nr. 218013540, Adobe Stock

Denken wir uns an unsere Schulzeit zurück, hat jede und jeder sicherlich unterschiedliche Szenen und Eindrücke im Kopf. Spannende Experimente im Chemieunterricht, Brennballspielen draußen auf dem Schulhof oder die Abenteuer auf dem Schulweg –  vieles hat uns geprägt. Die Eindrücke heutiger Lernender werden sicherlich andere sein; die Herausforderung, den Schulweg ohne Risiko zu meistern bleibt.

Schulweg in ländlichen Räumen

Im städtischen Bereich gehen viele Schülerinnen und Schüler zu Fuß zur Schule oder sie fahren mit dem Fahrrad. Um die damit verbundenen Gefahren wird es in diesem Beitrag nicht gehen.
Wie sieht es im ländlichen Bereich aus? Gerade weiterführende Schulen sind in Landkreisen oft an zentraler Stelle zu finden. Die Wege für alle Lernenden sollen so möglichst einheitlich lang sein. Für diese Strecken kommt meist der Schulbus zum Einsatz. Beim Fahren mit dem Schulbus kommt es zu kritischen Situationen – damals wie heute. Mit „Glück gehabt, das ging gerade noch mal gut“ enden dabei (leider) nicht alle Ereignisse. Und damit meine ich nicht die Unfälle, die durch Wildwechsel, eine rutschige Fahrbahn oder den Gegenverkehr ausgelöst werden.

Häufigste Unfallsursachen rund um den Schulbus

Schwere, schwerste und tödliche Unfälle ereignen sich häufig beim Überqueren der Fahrbahn vor dem Einsteigen oder nach dem Verlassen von Bussen. Ursache ist oft Ablenkung durch

  • Gespräche mit anderen,
  • das Handy,
  • die Musik über Kopfhörer,
  • eine wartende Person auf der anderen Straßenseite,
  • aber auch unangemessene Geschwindigkeit anderer Verkehrsteilnehmender.

Im Vergleich zu anderen Unfallarten ist die Zahl der Unfälle nicht hoch, doch die Unfallfolgen sind meist gravierender.

Gesetzliche Grundregeln mit Blick auf den Schulbus

Die Straßenverkehrs-Ordnung regelt in § 1 den Grundsatz, dass die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht erfordert. Das gilt vorrangig –  unabhängig davon, welche „Rechte“ und „Pflichten“ aufgestellte Verkehrsschilder regeln.

Direkten Bezug auf Busse nimmt § 20. Er bezieht sich unter anderem auf Schulbusse, die sich mit eingeschaltetem Warnblinklicht einer Haltestelle nähern. Sie dürfen nicht überholt werden. Kommen sie zum Stehen, darf an ihnen nur mit Schrittgeschwindigkeit (4 bis 7 km/h) und ausreichendem Abstand vorbeigefahren werden.

Unfälle an Schulbushaltestellen verhindern

Zwei Verkehrsunfälle an Bushaltestellen mit gravierenden Verletzungen waren im Bereich des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes Oldenburg (GUV OL) Auslöser dafür, dass 2017 der Startschuss zur Aktion „Schritt-Tempo am Bus ist ein Muss“ fiel. Die Verkehrssicherheitskampagne, die zu Beginn unter der Schirmherrschaft des damaligen niedersächsischen Verkehrsministers Olaf Lies stand, richtet sich an Verkehrsteilnehmende hinter Schulbussen.

Der Appell:
deutliche Reduzierung der Geschwindigkeit
beim Vorbeifahren am Schulbus.

Verkehrsteilnehmende sensibilisieren

Unterschiedliche Kommunikationswege helfen, um die Botschaft an möglichst alle Verkehrsteilnehmenden zu bringen:

  • Wiederkehrende Mitteilungen in der örtlichen Presse sorgen dafür, dass das Thema unterschwellig immer präsent ist.
  • Banner an den Landstraßen in der Nähe von Schulbushaltestellen machen Vorbeifahrende auf die unmittelbar bevorstehende Situation aufmerksam. Sie rechnen so eher damit, dass Schülerinnen und Schüler an der Haltestelle stehen und gewollt oder ungewollt gegebenenfalls unvermittelt auf die Fahrbahn treten.
  • Eine Beschriftung der Schulbus-Heckscheiben mit dem Appell sorgt unmittelbar dafür, dass der nachfolgende Verkehr den Schülertransport erkennt und motiviert ihn bestenfalls zur Geschwindigkeitsreduzierung.

Als Träger der Schülerunfallversicherung hat der GUV OL die letztgenannte Möglichkeit entwickelt: bereits auf Großflächenplakaten veröffentlicht, ist der Appel so auch unterwegs für alle hinter Bussen Fahrenden gegenwärtig.
Partnerinnen und Partner der Initiative sind die Mitgliedskommunen des GUV OL, die regionalen Verkehrsbetriebe sowie weitere Akteure, die sich für Verkehrssicherheit einsetzen. Das Mitmachen hat der GUV OL durch einen finanziellen Zuschuss zur Beschriftung der Busse und die Möglichkeit der öffentlichkeitswirksamen Begleitung unterstützt. Beispielhaft hierfür ist die Stadt Wilhelmshaven.

Volle Aufmerksamkeit an Schulbushaltestellen

Zu Fuß Gehende sind im Straßenverkehr das schwächste Glied. Bei den Schülerinnen und Schülern kommt hinzu, dass sie aufgrund ihres Alters noch nicht immer die notwendige Sorgfalt im Straßenverkehr, insbesondere an Bushaltestellen, walten lassen. Das müssen übrige Verkehrsteilnehmende bei ihrem eigenen Verhalten berücksichtigen.

Träger der Schülerunfallversicherung, wie der GUV OL, greifen die Thematik in unterschiedlicher Weise auf. Ihr gemeinsames Ziel: schwere oder gar tödliche Unfälle an Schulbushaltestellen vermeiden zu helfen.


Broschüre: Zu Fuß zur Schule – Information für Eltern
Verkehrssicherheitskampagne Wilhelmshaven

Portraitfoto Frau Angela Pauka

Angela Pauka

Angela Pauka ist seit 2017 Präventionsleiterin des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes Oldenburg in Niedersachsen. In diesem Zusammenhang vertritt sie den GUV OL im Anwenderkreis des DVR und setzt sich insbesondere für mehr Verkehrssicherheit bei Schülerinnen und Schülern ein

Foto: Fotostudio Schmidt

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