Sichere Kreisverkehre an Landstraßen

Caroline Rose, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)

Kreisverkehr begrünter Fahrbahnteiler Wiese Dämmerung
Verglichen mit anderen außerörtlichen Kreuzungen und Einmündungen weisen Kreisverkehre außerhalb von Ortschaften eine deutlich geringere Unfallschwere auf. Foto: Technische Universität Dresden

Warum ereignen sich Unfälle an außerörtlichen Kreisverkehren insbesondere bei Dunkelheit? Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) widmet sich eine Untersuchung der TU Dresden dieser Problematik mit spannenden Ergebnissen.

Kreisverkehre an Landstraßen sind im Vergleich zu anderen Kreuzungen beziehungsweise Einmündungen deutlich sicherer. Auffällig ist jedoch, dass sich ein Großteil der Unfälle an Kreisverkehren außerhalb von Ortschaften bei Dunkelheit ereignet. Dies deutet darauf hin, dass Kreisverkehre im Dunkeln schlecht zu erkennen sind. Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat daher die TU Dresden untersucht, wie die Erkennbarkeit von Kreisverkehren verbessert werden kann und Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit abgeleitet. Diese sollen Eingang in das technische Regelwerk „Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren“ der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) finden.

Vorgehen und Untersuchungsmethodik

Als Grundlage führten die Wissenschaftler zunächst eine Literaturanalyse durch. Der Fokus lag dabei auf der Verkehrssicherheit und auf wahrnehmungspsychologischen Aspekten. Anschließend analysierten sie das Unfallgeschehen von Kreisverkehren an Landstraßen. Daneben wurden für über 100 Kreisverkehre gestalterische und verkehrliche Merkmale in einer Datenbank aufbereitet und vertieft analysiert. Mithilfe mathematischer Modelle bestimmten die Forscher Einflussgrößen, die auf die Unfälle bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen wirken. In einem weiteren Schritt wurden die Streckengeometrie und die Gestaltung der Kreisverkehre vermessen. Zur Erfassung des Fahrverhaltens erfolgte eine Videobeobachtung an ausgewählten Kreisverkehren bei Tag und bei Nacht. In diesem Zuge leitete das Forschungsteam aus dem Geschwindigkeits- und Spurverhalten unfallbegünstigende und unfallvermeidende Gestaltungsmerkmale ab. Im Rahmen der lichttechnischen Messungen wurde schließlich untersucht, wie die Kreisverkehre und ihre Ausstattung in verschiedenen Entfernungen zum Kreisverkehr bei Dunkelheit wahrgenommen werden.

Untersuchungsergebnisse zur Sicherheit an außerörtlichen Kreisverkehren

Unfallgeschehen im Vergleich zu anderen Kreuzungen und Einmündungen

Verglichen mit anderen außerörtlichen Kreuzungen und Einmündungen weisen Kreisverkehre außerhalb von Ortschaften eine deutlich geringere Unfallschwere auf. Es fällt aber auf, dass Unfälle bei Dämmerung und Dunkelheit 42 % des Unfallgeschehens an außerörtlichen Kreisverkehren ausmachen, wohingegen an anderen außerörtlichen Kreuzungen und Einmündungen ohne Ampel dieser Anteil bei nur 26 % liegt.  

Besonderheiten der Unfälle an Kreisverkehren außerhalb von Ortschaften

Die Unfallanalysen zeigen, dass außerörtliche Kreisverkehre sehr sicher sind. Auch schwere Verkehrsunfälle infolge des zu späten Erkennens von Kreisverkehren sind selten.

Auf diesem hohen Sicherheitsniveau machen Fahrunfälle, also Unfälle, die mit dem Verlust der Kontrolle über ein Fahrzeug in Zusammenhang stehen, noch den größten Anteil des Unfallgeschehens an Kreisverkehren außerhalb von Ortschaften aus. Die Analyse der Fahrunfälle an außerörtlichen Kreisverkehren zeigt, dass sich knapp 60 % der Fahrunfälle bei Dunkelheit ereignen.  
Im Zuge des Kontrollverlustes über das Fahrzeug kommt es bei einem Großteil der Fahrunfälle zu einem Abkommen von der Fahrbahn nach links oder rechts, wobei das Abkommen nach links in der Regel das Auffahren auf die Kreisinsel bedeutet.

Einfluss verschiedener Gestaltungselemente auf das Unfallgeschehen

In Rahmen der Detailanalyse wurde für über 100 Kreisverkehre der Einfluss verschiedener Gestaltungselemente auf das Unfallgeschehen untersucht. Dabei wurden unter anderem folgende Einflussfaktoren identifiziert:

  • Zufahrten mit Verschwenkungen im Annäherungsbereich weisen geringere Unfallraten als Zufahrten mit gestreckter Linienführung auf.
  • Zufahrten mit breitem Fahrbahnteiler in dreieckiger Form weisen geringere Unfallraten als Zufahrten mit schmalem Fahrbahnteiler mit gerader Bordführung auf.
  • Für Zufahrten mit begrünter Oberflächengestaltung des Fahrbahnteilers ergibt sich ein geringeres Unfallrisiko als für Fahrbahnteiler mit asphaltierter, betonierter oder gepflasterter Oberfläche

Einflussfaktor: Fahrverhalten

Das beobachtete Geschwindigkeits- und Spurverhalten bestätigt die Erkenntnisse der Unfallanalysen im Hinblick auf die Linienführung im Annäherungsbereich und die Form des Fahrbahnteilers.

Lösungsansätze auf der Basis lichttechnischer Analysen

Anhand der lichttechnischen Analysen (Leuchtdichtemessungen) konnten die Wissenschaftler zeigen, dass durch retroreflektierende Markierungsnägel auf den Bordsteinen der Fahrbahnteiler und der Kreisinsel die Erkennbarkeit von außerörtlichen Kreisverkehren bei Dunkelheit verbessert werden kann.

Markierungsnägel auf dem Bord der Kreisinsel
Markierungsnägel auf dem Bord der Kreisinsel. Foto: Technische Universität Dresden

Bundesanstalt für Straßenwesen: Forschung kompakt 11/21 „Sichere Gestaltung außerörtlicher Kreisverkehre“

Portraitfoto Frau Caroline Rose

Caroline Rose

Caroline Rose studierte Bauingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Verkehrswesen an der RWTH Aachen. Sie ist seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Referat „Straßenentwurf, Verkehrsablauf und Verkehrsregelung“. Als Mitglied im Arbeitskreis „Kreisverkehre“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und verkehrswesen e.V. (FGSV) arbeitet sie aktiv an der Fortschreibung des „Merkblatts für die Anlage von Kreisverkehren“ mit.

Foto: Privat

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