Fahrbahnmarkierungen: wichtige Orientierungshilfen auf Landstraßen

Sebastian Wolf, Geschäftsführer der Deutschen Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen e.V. (DSGS)

Unbefahrene Landstraße Wald außerorts Dunkelheit Leitpfosten Fahrbahnbegrenzung
Im ländlichen Bereich dienen zumeist Leitpfosten und Fahrbahnbegrenzungen als Orientierungshilfe. Foto: Sebastian Wolf

Straßenmarkierungen sind ein wesentliches Element der Verkehrsregelung und der Verkehrsführung. Wer auf einer dunklen Landstraße unterwegs ist, bekommt durch die Markierungen eine wichtige Orientierungshilfe.

Mit zunehmendem Alter wird es nachts immer unangenehmer zu fahren, da sich die Wahrnehmung langsam verschlechtert. Die Allgemeinheit spricht untechnisch von „Nachtblindheit“. Die unangenehmsten Situationen entstehen, wenn sich zur Dunkelheit der Niederschlag gesellt. Funktionstaugliche und gut sichtbare Leiteinrichtungen erleichtern dann die Orientierung im Verkehrsraum. Die Fahrbahnmarkierung ist eines der wesentlichen Elemente zur Orientierung.

Straßenmarkierungen sind Verkehrszeichen und leitendes Element im Straßenverkehr

Straßenmarkierungen sind Verkehrszeichen im Sinne der Straßenverkehrsordnung (StVO). Grundsätzlich sind sie weiß, als vorübergehende Markierung sind sie gelb und heben dann die weiße Markierung auf (vgl. dazu § 39 Abs. 5 Satz 1-3 StVO). Sie ordnen und leiten den Verkehr und dienen als Führung des Verkehrsteilnehmenden durch manchmal komplexe Situationen. Als Verkehrszeichen sind Fahrbahnmarkierungen so auszuführen und zu erhalten, dass sie für den Verkehrsteilnehmenden jederzeit erkennbar und durch einen beiläufigen Blick fehlerfrei interpretierbar sind.

Die Nachtsichtbarkeit ist die wichtigste verkehrstechnische Eigenschaft der Markierung

Während sich der Verkehrsteilnehmende tagsüber an vielen verschiedenen Verkehrseinrichtungen oder natürlichen und baulichen Punkten innerhalb des Verkehrsraums orientieren kann, muss er bei Nacht auf Leiteinrichtungen zurückgreifen, die das vom Scheinwerfer des Fahrzeugs entsendete Licht teilweise zurückstrahlen. Man spricht von der sogenannten Retroreflexion. Glasperlen in der Straßenmarkierung sorgen für diesen Effekt.

Die Nachtsichtbarkeit (trocken und feucht) ist die für den Verkehrsteilnehmende wichtigste verkehrstechnische Eigenschaft.

Mindestanforderungen an die Sichtbarkeit

Die national an Straßenmarkierungen gestellten Anforderungen sind in den „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Markierungen auf Straßen“, aktuell in der Ausgabe 2013 (ZTV M 13), festgelegt. Unterschieden werden die lichttechnischen Eigenschaften in Tagessichtbarkeit (Qd) und die Nachtsichtbarkeit (RL) im trockenen Zustand sowie bei Nässe. Während der Verjährungsfrist für Mängelansprüche (Gewährleistungszeitraum/ Gebrauchszustand) sehen die ZTV M 13 vor, dass die Nachtsichtbarkeit trocken (RL trocken) einen Rückstrahlwert von mindestens 100 mcd · m-2 · lx-1 und feucht (RL feucht) 25 mcd · m-2 · lx-1. Dabei handelt es sich um die Mindestwerte, die über den gesamten Zeitraum erfüllt werden sollen.

Landstraße Tag marorde Fahrbahn Straßenmarkierungen Fahrbahnbegrenzung kaum erkennbar
Deutlich wird der schlechte Zustand des nachgeordneten Netzes. Im Lichte maroder Deckschichten wird die Straßenmarkierung oft vernachlässigt. Die Fahrbahnbegrenzung ist kaum noch zu erkennen. Foto: Sebastian Wolf

Ab wann soll die Markierung erneuert werden?

Die ZTV M 13 empfehlen in Abschnitt 4.13 die endgültigen Markierungen zu erneuern, wenn die Mindestwerte der Tages- und Nachtsichtbarkeit (trocken und feucht) um 20 % bzw. bei der Griffigkeit die Klasse S1 unterschritten werden. Um die verkehrstechnischen Eigenschaften zu erhalten, können grundsätzlich alle Markierungsmaterialien übermarkiert werden. Dabei ist allerdings auf die Stoffverträglichkeit zwischen der neuen und der alten Markierung zu achten.

Dass die zuvor dargestellten Streckenabschnitte die Mindestanforderungen nicht mehr erfüllen, ist ob des Zustandes der Straßenmarkierung wahrscheinlich. Insbesondere im unteren Bild ist die Markierung bei Nacht und Nässe nicht mehr zu erkennen, was aufgrund eigener regelmäßiger Wahrnehmung berichtet werden kann. Das Risiko von der Straße abzukommen steigt, gerade ältere Verkehrsteilnehmende werden hier besonders gefordert

Fazit

Straßenmarkierungen ordnen den Verkehrsraum. Insbesondere auf Landstraßen vermitteln gut sichtbare Fahrbahnbegrenzungen (VZ 295) dem Verkehrsteilnehmenden das bauliche Ende der Fahrbahn. Auf dem 2. Symposium Straßenausstattung „Fahrbahnmarkierungen – Neues aus Forschung und Praxis“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde berichtet, dass die optischen Systeme all das erkennen, was das menschliche Auge wahrnehme.

In Kurven bilden sie neben den Leitlinien elementare Orientierungspunkte für die Streckenführung. Die gute optische Führung ist nicht nur für den Verkehrsteilnehmenden bei schlechten Witterungsbedingungen wichtig, um einem Abkommen von der Fahrbahn vorzubeugen. Sie ist derzeit ebenfalls Voraussetzung für die durchgängige Funktion von kameragestützten Fahrerassistenzsystemen und autonomen Fahrtechnologien.

Die Funktionstüchtigkeit der Straßenmarkierung lässt sich näherungsweise durch nächtliche Verkehrsschauen bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen feststellen, da das menschliche Auge ein hervorragender optischer Sensor ist.


Deutsche Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen e.V.: Mehr Informationen zu Straßen- bzw. Fahrbahnmarkierungen
DSGS – Der Fachverband für Straßenmarkierungen
2. Symposium Straßenausstattung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)

Portraitfoto Mann Sebastian Wolf

Sebastian Wolf

Der Jurist Sebastian Wolf ist Geschäftsführer der Deutschen Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen e.V. (DSGS). Zudem leitet er die Fachabteilung des Industrieverbands Straßenausstattung e.V. (IVSt). Er ist Mitglied in diversen Arbeitskreisen und Ausschüssen u.a. bei dem Deutschen Institut für Normung/Europäischen Komitee für Normung (DIN/CEN) und der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV). Bei der FGSV ist Sebastian Wolf stellvertretender Leiter des Arbeitsausschusses 3.6 „Straßenmarkierungen“ und des Arbeitskreises (AK) 3.6.2 „Fortschreibung der ZTV M 13“.

Foto: Sascha Storz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.