Intelligentes Licht kann Unfälle verhindern

Stefan Meyer, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e.V. (ZDK)

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Jedes Jahr im Oktober können Autofahrende ihre Fahrzeugbeleuchtung beim Licht-Test kostenlos auf die richtige Funktion und Einstellung überprüfen lassen. Foto: ProMotor/T.Volz

Um sicher ans Ziel zu kommen, ist eine einwandfrei funktionierende Fahrzeugbeleuchtung unabdingbar. Welche intelligenten Lichtsysteme gibt es und was sollten Autofahrende für eine gute Sicht auf der Landstraße beachten?

In der Dunkelheit steigt die Unfallgefahr auf das Doppelte. Deshalb gehört das Auto-Licht zur wichtigsten Sicherheitsausstattung eines Fahrzeugs, da sind sich Unfallforschende einig. Nur wer gut sieht und gesehen wird, kommt sicher ans Ziel. Nicht blendende, weit strahlende Scheinwerfer sind dabei genauso wichtig wie die Signalbeleuchtung – Blinker, Rück- und Bremslichter.

Dabei lautet die Devise nicht mehr: immer heller und weiter, sondern intelligenter und präziser. Die Zukunft heißt „Digital Light“. Das blendfreie LED-Fernlicht in HD-Qualität ist mit der Funktionalität eines Beamers vergleichbar. Über zwei Millionen Lichtpunkte leuchten die Straße extrem präzise und hell aus, ohne andere zu blenden. Es projiziert außerdem Verkehrszeichen, Navi-Hinweise oder in engen Baustellen die eigene Fahrzeugbreite als Streifen zur Orientierung auf die Fahrbahn.

LED, OLED und Laserlicht punkten mit einem geringen Energieverbrauch, kleiner Bauform, die den Designern großen Spielraum lässt, und mit einer höheren Flexibilität. Lichtbasierte Assistenzsysteme sorgen für das ideale Licht in fast jeder Fahrsituation. Sie machen andere Verkehrsteilnehmende sichtbar oder blenden diese in Bruchteilen von Sekunden aus. Laserlicht ist eine Punktlichtquelle, mit der man einen speziellen Bereich der Straße genau und fokussiert ausleuchten kann und die als Fernlicht bis zu 600 Meter weit reicht.

Lichtfunktionen und -Assistenten im Überblick:

Tagfahr-Licht

Das Tagfahrlicht soll Aufmerksamkeit schaffen tagsüber bei Sonnenlicht oder in dunklen Alleen. Es macht Fahrzeuge von vorne erkennbar, das Fahrzeugheck ist dabei unbeleuchtet. Bei schlechter Sicht ist die Aufmerksamkeit des Fahrenden gefordert, der dann manuell die Beleuchtung einschalten muss.

Automatisches Abblendlicht (Licht-Automatik)

Das automatische Abblendlicht gehört mittlerweile in vielen Fahrzeugklassen zum Serienumfang. Sensoren erfassen die aktuelle Lichtstärke und schalten bei Unterschreitung eines Grenzwertes die Beleuchtung ein. So wird bei Dämmerung oder bei Tunneldurchfahrten das Abblendlicht automatisch ein- und wieder ausgeschaltet. Weil Nebel häufig nicht automatisch erkannt wird, darf sich der Fahrende nicht voll auf die Lichtautomatik verlassen und muss selbst aktiv das Abblendlicht einschalten, um dann von anderen Verkehrsteilnehmenden im fließenden Verkehr besser wahrgenommen zu werden.

Abbiegelicht

Das Abbiegelicht leuchtet bei niedrigen Geschwindigkeiten den Bereich seitlich vor dem Fahrzeug aus. Es leuchtet entweder beim Blinken oder ab einem bestimmten Lenkwinkel. Das Abbiegelicht hat vor allem in der Stadt Vorteile, weil zu Fuß Gehende früher erkannt werden. Doch auch beim Einbiegen auf schmale und dunkle Landstraßen bringt das Abbiegelicht eine bessere Sicht. Während bei einfachen Lichtsystemen lediglich die linken oder rechten Nebelscheinwerfer angehen, haben aufwändigere Systeme das Abbiegelicht in den Hauptscheinwerfer integriert. Hier wird das Licht gezielt über separate LEDs zugeschaltet.

Kurvenlicht

Der Kurvenlichtassistent ist ein weiterer nützlicher Helfer im Straßenverkehr. Schlägt das Lenkrad ein, folgt das Scheinwerferlicht dem Kurvenverlauf und leuchtet ihn aus. Auf Landstraßenfahrten kommen die Vorzüge des dynamischen Kurvenlichts zur Geltung, weil die Straße deutlich besser ausleuchtet wird. Das geschieht durch gezieltes Zuschalten einzelner LEDs. Mit Hilfe von Kamerasystemen und Navigationsdaten können bei modernen Systemen die Kurven schon ausgeleuchtet werden, bevor der Fahrer in die Kurve hineinlenkt. Der Lichtassistent erkennt auch das Ende der Kurve und passt die Scheinwerfer entsprechend an.

Fernlichtassistent

Sind Autofahrende besonders häufig nachts oder während der Dämmerung unterwegs, ist das Fernlicht ein ständiger Begleiter. Vergisst man das Abblenden, werden andere Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt und das Unfallrisiko steigt. Es gibt Assistenzsysteme, die das Fernlicht bei freier Fahrt einschalten und bei Gegenverkehr automatisch abblenden. Intelligente Systeme blenden den Gegenverkehr aus, lassen aber das Licht in Randbereichen der Straße weit leuchten und erhöhen damit die Sichtweite, ohne den Gegenverkehr zu blenden.

Nachtsichtassistent

Noch nicht weit verbreitet, aber hilfreich sind zudem Nachtsichtassistenten, die die Umgebung mittels Infrarot- oder Wärmebildkameras erfassen. Verkehrsteilnehmende, wie Radfahrer oder Fußgänger, die bei Dunkelheit leicht übersehen werden können, sind hiermit leichter erkennbar.

Intelligente LED-Systeme

Moderne LED-Lichtsysteme können die Fahrbahn mit Hilfe von Frontkamera, GPS und weiteren Sensoren je nach Wetter und Streckenverlauf optimal ausleuchten und dabei die Blendung des Gegenverkehrs und die Eigenblendung minimieren, zum Beispiel auf Landstraßen, im Stadtverkehr oder bei Nebel oder Schneefall.

Tipps für gute Sicht auf Landstraßen

  • Grundsätzlich sollten Sie Ihre Fahrweise der Sichtweite anpassen, damit Sie jederzeit auch vor einem unbeleuchteten Hindernis zum Stehen kommen.
  • Schauen Sie nicht direkt ins Licht des Gegenverkehrs, sondern auf die Fahrbahn vor sich oder an den rechten Straßenrand.
  • Schalten Sie bei Dämmerung rechtzeitig das Abblendlicht an, damit Sie für andere Verkehrsteilnehmende besser sichtbar sind. Das erhöht die Sicherheit, etwa beim Überholen.
    Nutzen Sie Ihr Fernlicht, es verfügt über ein deutlich bessere Leucht- und Sichtweite, vor allem auf nächtlichen Landstraßen. Rechtzeitiges Abblenden nicht vergessen!
  • Gutes Licht verbessert die Sicht, beugt Müdigkeit vor und entlastet den Fahrenden.
  • Achten Sie beim Fahrzeugkauf eher auf Sicherheitssysteme als auf optische Sonderausstattungen. Ein modernes Scheinwerfersystem erhöht die Sicherheit.

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe organisiert seit 1956 gemeinsam mit der Deutschen Verkehrswacht den Licht-Test. Beim Licht-Test können Autofahrende jedes Jahr im Oktober ihre Fahrzeugbeleuchtung kostenlos in den Kfz-Meisterwerkstätten überprüfen lassen. Mehr Informationen zur bundesweiten Aktion und den teilnehmenden Werkstätten gibt es hier: www.licht-test.de


Der Licht-Test
Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK)

Portraitfoto Mann Stefan Meyer

Stefan Meyer

Stefan Meyer ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e.V. (ZDK) und verantwortlich für den Licht-Test.

Foto: ProMotor

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