Modernste Verkehrsüberwachungstechnik im Kampf gegen die Unfallursache Nr. 1

Timon Kuntz, Verkehrsreferent im Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg

Innenminister Thomas Strobl Verkehrsminister Winfried Hermann Bundesautobahn A6 Enforcement Trailer
Innenminister Thomas Strobl und Verkehrsminister Winfried Hermann übergeben an der Bundesautobahn A 6 in Hockenheim einen Enforcement Trailer. Foto: Innenministerium Baden-Württemberg

Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit ist seit Jahren Unfallursache Nummer eins auf Straßen in Baden-Württemberg. Im Kampf gegen Raser erhöht die Polizei den Kontrolldruck. Ein wichtiger Baustein dabei sind die sogenannten Enforcement Trailer (Geschwindigkeitsmessanhänger). Auch auf Landstraßen sollen sie die Verkehrssicherheit erhöhen.

„High-Tech gegen High-Risk“, so lautete das Motto bei der Übergabe eines Enforcement Trailers der Firma VITRONIC durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl und Verkehrsminister Winfried Hermann (MdL) im Juli 2020 an das Polizeipräsidium Mannheim. Zwischenzeitlich sind bis auf das Polizeipräsidium Stuttgart alle regionalen Polizeipräsidien in Baden-Württemberg mit einem Enforcement Trailer ausgestattet.

Mit der Beschaffung dieser zwölf Geschwindigkeitsmessanhänger hat die Polizei Baden-Württemberg ihren bestehenden Technikmix zur Überwachung der Geschwindigkeit mit einem innovativen Gerät komplettiert. Damit soll der Kontrolldruck auf Raser, insbesondere auf Autobahnen und Landstraßen flächendeckend erhöht werden.

Verkehrsunfalllage Baden-Württemberg

Zu schnelles Fahren ist die Hauptunfallursache Nummer eins für tödliche Verkehrsunfälle. Im ersten Halbjahr 2021 ereigneten sich auf den Straßen Baden-Württembergs insgesamt 146 Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang; bei rund einem Viertel dieser Unfälle war die Unfallörtlichkeit eine Landstraße. In etwa jede bzw. jeder dritte Verkehrstote ist auf zu schnelles Fahren zurückzuführen.  

Bekämpfungsstrategie, um schwere Unfälle zu verhindern

Die Landesregierung Baden-Württemberg verfolgt mit Nachdruck die Vision Zero – einen Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte – und setzt in diesem Zusammenhang zahlreiche Maßnahmen um.

Die Wirkzusammenhänge zwischen Kontrolldruck, Sanktionshöhe und Verhaltensänderungen sind wissenschaftlich erwiesen und so ist die Verkehrsüberwachung ein wichtiger Baustein, um Menschenleben im Straßenverkehr zu schützen.

Die polizeiliche Verkehrsüberwachung ist gezielt auf die Ursachen von tödlichen Verkehrsunfällen ausgerichtet.

Die Geschwindigkeitsüberwachung erfolgte bislang sowohl mit stationären als auch mit mobilen Geschwindigkeitsmessgeräten. Bei der mobilen Technik kommen neben sogenannten Laserhandmessgeräten auch digitale Großmessgeräte zum Einsatz.

Jahr für Jahr wurden so – allein durch die Polizei – an unfallrelevanten Stellen rund eine Million Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.

Eine sogenannte semistationäre Geschwindigkeitsmessanlage, sprich ein Geschwindigkeitsmessanhänger, ist die perfekte Ergänzung dieses Technikmixes. Er kann variabel und zielgerichtet an unfallrelevanten Stellen eingesetzt und gleichzeitig personal- und somit ressourcenschonend betrieben werden. So kann der Kontrolldruck weiter erhöht werden, um die Straßen Baden-Württembergs noch sicherer zu machen.

Voraussetzungen für Geschwindigkeitsmessanhänger

Geschwindigkeitsmessanhänger können bis zu zehn Tage lang mittels Akku betrieben und an den verschiedensten Stellen eingesetzt werden.

Dabei gilt: Die Messstellen müssen über eine festen Untergrund verfügen und gewisse Sicherheitsabstände zur Fahrbahn einhalten. Alternativ müssen entsprechende „Leitplanken“ vorhanden sein.

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, muss der Anhänger lediglich an die Messstelle gebracht und vor Ort eingerichtet werden.

Je nach Modell können mehrere Fahrspuren gleichzeitig sowie unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen, bspw. für Pkw und Lkw, überwacht werden. Darüber hinaus können über ein integrierbares Modem die erfassten und verschlüsselten Falldaten drahtlos übertragen und ein Fernzugriff auf das Messgerät gewährleistet werden. Eine ständige personelle Betreuung des Geräts ist nicht erforderlich.

Was bedeutet der Einsatz von Geschwindigkeitsmessanhängern für die Verkehrssicherheit?

Die Verkehrsüberwachung mit mobilen Geschwindigkeitsmessgeräten ist sehr wirksam, erfordert jedoch eine dauerhafte personelle Betreuung vor Ort. Hinzu kommen bei jeder Messung Zeitaufwände für die An- und Abfahrt sowie für den Auf- und Abbau. Das entfällt beim Einsatz von Geschwindigkeitsmessanhängern. Um den Kontrolldruck eines Messanhängers zu erzeugen, wäre umgerechnet der Einsatz von vier mobilen Geräten notwendig. Diese müssten von insgesamt acht Messkräften betreut werden. Bei der Polizei Baden-Württemberg kommen aktuell zwölf Messanhänger zum Einsatz. Um einen vergleichbaren Kontrolldruck zu erzeugen, müssten demnach knapp 50 mobile Geräte beschafft und 100 zusätzliche Messkräfte eingesetzt werden.

Geschwindigkeitsmessanhänger sind ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Raser

Mit dem Einsatz von Geschwindigkeitsmessanhängern bei der Polizei Baden-Württemberg kann der flächendeckende Kontrolldruck spürbar erhöht werden, ohne zusätzliches Personal zu benötigen. Sie sind flexibel einsetzbar und vereinen die Vorteile einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage mit denen der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung. Im Ergebnis sind sie somit eine wertvolle Ergänzung des bestehenden Technikmixes im Kampf gegen Raserei.

„High-Tech gegen High-Risk“ – damit alle wieder gesund zuhause ankommen!


High-Tech für mehr Sicherheit im Straßenverkehr Baden-Württemberg
Unfallstatistik: Erstes Halbjahr 2021 Baden-Württemberg
Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg

Timon Kuntz

Timon Kuntz ist Polizeibeamter und seit 2016 Verkehrsreferent im Innenministerium Baden-Württemberg. In seiner Funktion ist er für die strategische Ausrichtung der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit in Baden-Württemberg zuständig.

Foto: Polizei Baden-Württemberg

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