„Die Abschnittskontrolle ist ein klarer Gewinn für die Verkehrssicherheit“

im Interview mit Thomas Buchheit, Verkehrsexperte im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport

Die Abschnittskontrolle (Section Control) aus seitlicher Perspektive.
Die Abschnittskontrolle misst die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Strecke über mehrere Kilometer. Foto: Tristan, Nr. 254972726, Adobe Stock

Im Interview mit DVR Report-Chefredakteur Sven Rademacher spricht Thomas Buchheit, Verkehrsexperte im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, über den Erfolg der „Section Control“ auf dem Abschnitt B6 in Laatzen, für welche Strecken sich die Abschnittskontrolle gut eignet und wie sie von der Bevölkerung aufgenommen wird.

Herr Buchheit, was bedeutet „Section Control“?

Hierbei handelt es sich um eine Verkehrsüberwachungstechnik, bei der die Geschwindigkeit nicht nur an einem Punkt, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Strecke über mehrere Kilometer gemessen wird. Im Ausland wird es als „Section Control“ betitelt und auch hierzulande nutzen viele diesen Begriff. Die offizielle Bezeichnung bei uns lautet jedoch Abschnittskontrolle.

Wie bewerten Sie die Abschnittskontrolle im Vergleich zu anderen Maßnahmen der Geschwindigkeitsüberwachung?

Für uns ist die Abschnittskontrolle ein klarer Gewinn für die Verkehrssicherheit. Sie wird die bisherigen Geschwindigkeitskontrollen jedoch nicht in Gänze ersetzen können. Es wird immer Stellen geben, an denen es geeigneter, sinnvoller und erforderlicher ist, die bisherigen Überwachungstechniken einzusetzen. Die Abschnittskontrolle ist vielmehr eine innovative und technisch aktuelle Ergänzung zu den herkömmlichen Messmethoden.

Für welche Streckenabschnitte ist die Abschnittskontrolle aus Ihrer Sicht generell geeignet?

Ob inner- und außerorts oder auf Autobahnen, grundsätzlich ist die Technik für alle Strecken geeignet. Natürlich konzentrieren wir uns auf Abschnitte, an denen wir Unfälle insbesondere mit Verunglückten und im Zusammenhang mit Geschwindigkeit haben und an denen stationäre Überwachung nicht zielführend ist. Es gibt lediglich Anforderungen an die Mindestlänge der Strecke. Diese liegen derzeit bei 2.000 Metern. Für einen kürzeren Abschnitt wird es in Deutschland momentan keine Zulassung für eine derartige Anlage geben. Bei allen längeren Strecken ist es so gut wie unerheblich, wie viele Fahrstreifen, Kurven, Berge, Ein- und Ausfahrten und ähnliches es gibt.

Wie wirkt sich die Abschnittskontrolle auf der B6 in Laatzen bei Hannover auf das dortige Unfallgeschehen aus?

Nach unserer Beobachtung sehr gut. Das belegen die vielen aufschlussreichen Daten, die wir auch mit wissenschaftlicher Unterstützung gewinnen konnten. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist geringer, der Verkehrsfluss harmonischer und es gibt keine erheblichen Bremsmanöver, wie sie ansonsten vor herkömmlichen Blitzern mitunter zu beobachten sind.

Wird Niedersachsen die Abschnittskontrolle auf weiteren unfallträchtigen Strecken einsetzen?

Das ist möglich. Wir prüfen gerade diverse Strecken im Land, an denen der Einsatz geeignet ist.

„Section Control“ wird bereits im europäischen Ausland, zum Beispiel in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden, erfolgreich eingesetzt. Warum hat die Umsetzung in Deutschland so lange gedauert?

Das lag an diversen Hürden, im Wesentlichen im Bereich Technik, Recht und Datenschutz. Wir hatten in Deutschland bisher keine amtliche Zulassung für die Technik der Abschnittskontrolle, also haben wir bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) eine entsprechende Prüfung veranlasst. Daneben musste eine spezifische Rechtsgrundlage geschaffen werden. In all diesen Überlegungen spielte auch der Datenschutz eine entscheidende Rolle und so haben wir von Anfang an die Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen in dem gesamten Verfahren beteiligt.

Interview: Sven Rademacher


Thomas Buchheit

Thomas Buchheit

Thomas Buchheit ist Verkehrsexperte im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport. Der 54-jährige ist Erster Polizeihauptkommissar und seit Planungsbeginn im Sommer 2014 Geschäftsführer des Modellprojekts „Section Control“.

Foto: Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport

Sven Rademacher, VKM

Sven Rademacher

Sven Rademacher ist Mitglied der Chefredaktion des DVR Reports. Zuvor war er langjähriger Pressesprecher des Deutschen Verkehrssicherheitsrats.

Foto: Privat

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