Das Tierfund-Kataster: Ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung von Wildunfällen

René Hartwig, Assistent der Geschäftsführung beim Landesjagdverband Schleswig-Holstein

Verkehrsschild Gefahrenzeichen Wildwechsel Dunkelheit Wald Landstraße Auto Bremslichter
Jeder Verkehrsteilnehmende kann dabei helfen, Wildunfälle zu vermeiden. Foto: Kapuhs/DJV

Sie passieren vor allem in der dunklen Jahreszeit: Wildunfälle. Wer einmal einen Wildunfall mit seinem Auto gehabt hat, wird es nicht mehr vergessen. Dabei helfen Apps und richtige Verhaltensweisen bei der Minimierung des Unfallrisikos.

In der dunklen Jahreszeit passieren die meisten Wildunfälle. Vor allem, wenn tägliche Autofahrten durch Wälder oder unübersichtliche Straßenabschnitte führen. Unvermittelt können dann auf einmal Reh, Hirsch, Wildschwein & Co. die Straße überqueren. Meistens ist es dann zu spät und es kommt zu einem Wildunfall.

Wie lässt sich ein Wildunfall vermeiden?

Grundsätzlich sollte die Geschwindigkeit entlang von übersichtlichen Wald- und Feldrändern reduziert werden. Dabei müssen Warnschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen und die blauen Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten ernstgenommen werden, denn diese wurden nicht ohne Grund aufgestellt. Wenn Tiere am Straßenrand rechtzeitig gesehen werden, hilft Abblenden, Hupen und kontrolliertes Bremsen. Unkontrollierte Ausweichmanöver enden oftmals im Straßengraben oder im Gegenverkehr. Deshalb sollte eher ein Zusammenprall mit dem Tier in Kauf genommen werden, wenn sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lässt. Wichtig hierbei ist, dass das Lenkrad gut festhalten wird!

Wann gibt es die meisten Wildunfälle?

Besonders während der Ernte oder in der Dämmerung wechseln Wildtiere über die Straße. Aber auch nachts können Wildtiere unvermittelt Straßen queren. Tagsüber kommt es vor allem im Juli und August zu Wildunfällen, wenn die Paarungszeit der Rehe ist. Die Paarungszeit vom Rot- und Damhirsch sind im Herbst. Während der Paarungszeit – der sogenannten Brunft – sind die Tiere besonders aktiv und achten im „Liebesrausch“ nicht auf Menschen oder Autos.

Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

Zunächst muss die Unfallstelle gesichert werden:

  • Warnblinkanlage anschalten,
  • Warnweste anziehen,
  • Warndreieck aufstellen und
  • Polizei anrufen.

Tote Tiere an den Straßenrand ziehen, wenn der Verkehr das zulässt. Einem geflüchteten Tier nicht folgen. In der Unfallmeldung an die Polizei die Fluchtrichtung mitteilen (Wildunfälle sind meldepflichtig). So kann der Jäger/die Jägerin das verletze Tier leichter finden und es ggf. von seinen Qualen erlösen. Überfahrene Wildtiere auf keinen Fall mitnehmen, denn Wilderei ist strafbar. Wenn Sie alles ordnungsgemäß gemeldet haben, händigen die Polizei oder der örtliche Jäger/die örtliche Jägerin eine Wildunfallbescheinigung aus. Ihre Versicherung wird den Schaden nach Vorlage der Bescheinigung übernehmen. Als letzten Schritt sollte der Wildunfall mit Hilfe der kostenlosen Tierfund-Kataster-App (kurz: TFK-App) gemeldet werden.

Kann ich helfen?

Jeder kann helfen: Mit dem Tierfund-Kataster werden im Straßenverkehr verunfallte Wildtiere erstmals bundesweit systematisch erfasst. Die gesammelten Daten helfen, Unfallschwerpunkte zu identifizieren und zu entschärfen. Über die TFK-App lassen sich Daten unterwegs schnell erfassen. Sie ist kostenlos und als iPhone- und Android-App erhältlich. Bisher haben über 20.000 Nutzer und Nutzerinnen mehr als 90.000 Funde gemeldet. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben das Tierfund-Kataster 2011 ins Leben gerufen. Ende 2016 wurde das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Was passiert mit den Daten?

Mit den Daten der TFK-App ist die kostenlose Wildwarn-App von WUIDI gestartet. Der digitale Wildwarner warnt Autofahrende bei der Fahrt durch Gefahrengebiete mit erhöhtem Wildwechsel, erstmals orts- und zeitabhängig. Die Warnung erfolgt entweder über eine App oder per Bluetooth-Kopplung direkt über das Auto. Dank eines Hintergrundmodus ist keine Bedienung während der Fahrt notwendig und kann dadurch problemlos im Straßenverkehr eingesetzt werden. Kommt es dennoch zu einem Wildunfall, erhält der Nutzer eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und auf Basis der GPS-Lokalisierung die Kontaktdaten des zuständigen Ansprechpartners, der Polizeidienststelle oder des zuständigen Jägers/der zuständigen Jägerin. Durch die Erfassung des Unfallstandortes können tierschutzgerechte Nachsuchen nach verletzten Tieren schneller durch den Jäger/die Jägerin eingeleitet werden.

Logo Tierfund-Kataster: Registrieren - mitmachen - Leben retten

Das Projekt Tierfund-Kataster richtet sich an alle Verkehrsteilnehmenden und Naturliebhaber sowie Naturliebhaberinnen, die etwas für den Tierschutz und die Sicherheit auf Deutschlands Straßen tun wollen. Eine einmalige Registrierung genügt. Die Tierfunde können dann von zu Hause über den Desktop oder von unterwegs über die kostenlose App eingegeben werden. Die App gibt es in den App-Stores von Apple und Google.

Das Tutorial erklärt die einzelnen Schritte:

Schützen Sie sich vor Wildunfällen mit der kostenlosen Wildwarner-App. Dieses Video erklärt in weniger als 2 Minuten wie die Wildwarner-App funktioniert:

Jetzt kostenlos downloaden für iOS und Android.

Was tun beim Wildunfall? Ein kleines Faltblatt erklärt Schritt für Schritt, wie man sich beim Wildunfall verhalten muss und was zu tun ist. Jetzt kostenlos downloaden und zu den Fahrzeugpapieren ins Auto legen.


Tierfund-Kataster – deutschlandweite Erfassung von Wildtieren
Überblick über die bundesweiten Tierfundmeldungen des Tierfund-Katasters
TFK-App im Google Play Store
TFK-App im Apple Store
Faltblatt zu Windunfällen
Kostenlose Wildwarn-App von WUIDI

Portraitfoto Mann René Hartwig

René Hartwig

René Hartwig arbeitet seit 2018 beim Landesjagdverband Schleswig-Holstein. Als Assistent der Geschäftsführung gehört in seinen Aufgabenbereich unter anderem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Zusammenhang setzt er sich für die Reduzierung von Wildunfällen ein. Neben der Aufklärung und Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmenden bietet für ihn die Digitalisierung großes Potential, um Wildunfälle nachhaltig zu verringern.

Foto: Kim Maria Blöcker


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