Radfahren im ländlichen Raum gemeinsam sicher gestalten

Astrid Butt, OWL GmbH Projektleiterin Mobilität REGIONALE 2022 & Linda Noack, Verkehrsplanerin Kreis Paderborn

Menschen Fahrräder Helm Warnweste Autos Radweg außerorts
Für das Radnetz OWL stehen verkehrssichere direkte Verbindungen im Fokus. Foto: OWL GmbH, Sättele

Radfahren in OstWestfalenLippe (OWL) soll schneller, komfortabler und sicherer werden. Direkte und kurze Verbindungen für den Alltagsradverkehr zwischen den Orten der Region, darum geht es im Radnetz OstWestfalenLippe.

Inhalt des Artikels

Mit dem Fahrrad einfach von A nach B pendeln, zum Job, Einkaufen, Arzt und zum Sport oder zur nächsten Bus- oder Bahnhaltestelle: An dieser regionalen Radinfrastruktur mit gemeinsam abgestimmten Standards arbeiten die sechs Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn sowie die Stadt Bielefeld.

Radfahren im Alltag mit dem Radnetz OWL

Das Radnetz OWL fördert das Fahrrad als vollwertiges Alltagsverkehrsmittel und ist Teil einer integrierten Mobilitätsstrategie für OstWestfalenLippe. Besonders Pendlerinnen und Pendler sollen angesprochen und für sie ein attraktives Radwegenetz geschaffen werden, sodass sie auf das Fahrrad umsteigen.

Ziel ist ein vollständiges Pendlernetz für Radfahrende, das direkte und schnelle Verbindungen zwischen den Orten und wichtigen Zielen wie beispielsweise Hochschulen oder Kliniken anbietet. Damit soll auch die Verbindung zwischen Stadt und Land gestärkt werden, ein zentrales Ziel der REGIONALE UrbanLand OWL, deshalb wurde das Radnetz OWL auch mit REGIONALE-Mitteln entwickelt.

Die REGIONALE 2022
OstWestfalenLippe richtet die REGIONALE unter der Überschrift „Das neue UrbanLand“ aus. Ziel ist es, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land über innovative und modellhafte Projekte zu stärken. Sie geben Antworten auf die Frage, wie wir in Zukunft leben, wohnen, arbeiten, uns fortbewegen und unsere Freizeit gestalten wollen.
Im Präsentationsjahr 2022, dem UrbanLand Sommer, werden die Ergebnisse und Projekte im Rahmen eines Veranstaltungsprogramms ab April sichtbar. Informationen dazu gibt es hier.

Herausforderung beim Radnetz OWL

Das ist eine Herausforderung, denn die Region ist mit 6.500 km2 groß und landschaftlich sehr verschieden. Knapp zwei Millionen Menschen leben und bewegen sich in OstWestfalenLippe. Bei der Entwicklung des Netzes wurde daher nicht nur beachtet, zwischen welchen Orten zukünftig viele Radfahrende erwartet werden, sondern ob sich die Strecken von der Länge und Steigung her für Fahrradfahrende eignen. Mit berücksichtigt wurde, dass durch E-Bikes längere und auch hügelige Wege einfacher zu bewältigen sind.

Im Fokus des Radnetzes: verkehrssichere direkte Verbindungen

Dabei geht es nicht mehr um scheinbar für den Radverkehr gut geeignete Strecken, die abseits des motorisierten Verkehrs gelegen durch schöne Landschaft führen. Im Fokus stehen die direkten Verbindungen von A nach B, oftmals entlang der Bundes-, Land- oder Kreisstraßen. Dabei steht die Sicherheit ganz besonders im Vordergrund. Viele Straßen müssen sicherer und fahrradfreundlicher gestaltet werden. So könnten an breiten Außerortsstraßen mit zusätzlichen Seitenstreifen schnell und kostengünstig durch Umgestaltung und Ummarkierung sichere, separate Radwege geschaffen werden. Hier sind das Engagement und die Unterstützung aller Akteure, besonders auch der Straßenbaulastträger, gefragt.

Konzept für das Radnetz OWL und empfohlene Standards

Entstanden ist ein Netzkonzept von fast 2.000 Kilometern. Es zeigt auf, wo Radverkehrsanlagen zwingend erforderlich sind, um die Verkehrssicherheit der Radfahrenden zu steigern und ein qualitativ hochwertiges und durchgängiges Angebot an Radverkehrsanlagen zu schaffen. Das Radnetz OWL weist auf den bestehenden Handlungsbedarf hin und gibt Empfehlungen.

425 Maßnahmen auf 532 Kilometern stehen auf der langen Empfehlungsliste. Dabei geht es um Lückenschlüsse, um die Beseitigung von Gefährdungssituationen, um die Verbreiterung von zu schmalen Wegen oder um gute Oberflächen. Die empfohlenen Standards gehen über die derzeit gültigen Leitlinien hinaus und integrieren bereits die zukünftige Entwicklung. Zusätzlich werden die großen Trassen wie Radschnellwege oder Velorouten betrachtet. Darüber hinaus müssen auch Aspekte wie ausreichende Beleuchtung, günstige Ampelschaltungen, Services an der Strecke oder sichere Abstellmöglichkeiten in den Blick genommen werden. Denn nur komfortable und auch subjektiv sichere Wege tragen dazu bei, das Mobilitätsverhalten zu ändern und das Fahrrad konkurrenzfähiger zu machen.

Interkommunale Planung für ein gemeinsames Radnetz

Das Wichtige dabei ist, dass die Radwege nicht an der Orts-, Kreis- oder Landesgrenze enden, sondern darüber hinaus als durchgängige Verbindungen geplant werden. Das bedeutet, OWL-weit zu denken und ein durchgängiges Netz mit Anbindung in die Nachbarregionen zu schaffen. Dazu müssen alle an einen Tisch, sich abstimmen und interkommunal planen, unabhängig von den jeweiligen verwaltungstechnischen Zuständigkeiten.

Ausgegangen ist der Impuls vom Kreis Paderborn, der das Projekt für die REGIONALE 2022 eingereicht hatte. Schnell war klar, dass diese große Aufgabe nur von allen sechs Kreisen Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn und der Stadt Bielefeld gemeinsam angepackt werden kann, wenn die Infrastruktur für den Radverkehr in der Region entscheidend vorangebracht werden soll. Exakt das ist beim Radnetz OWL vorbildhaft geschehen. In Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Detmold und dem Landesbetrieb Straßen.NRW sowie mit Unterstützung eines Planungsbüros wurde das Radnetz OWL entwickelt.

Und genau dafür haben die Akteure im Februar 2022 den 22. Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie Infrastruktur gewonnen. Jetzt geht es weiter um die gemeinsame zügige Umsetzung. Die überregionale Vernetzung und der Fachdialog begleiten die Umsetzungsprozesse und sondieren Möglichkeiten der Beschleunigung. Die weiteren innerörtlichen Verkehre und Feinerschließungen innerhalb der Kreise und Gemeinden schließen sich daran an, sodass ein lückenloses flächendeckendes und sicheres Radnetz bis in die kleinen Ortschaften entstehen kann.

Deutscher Fahrradpreis für das Radnetz OWL
Das Infrastrukturkonzept Radnetz OWL wurde im Februar 2022 mit dem 22. Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet. Beworben hatten sich 128 Projekte um die renommierte Auszeichnung des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr und der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e. V. (AGFS).

Sichere moderne Mobilität: Fahrrad

Damit kommen wir der Vision immer näher, das Fahrrad als sichere, klimaschonende, gesunde und preiswerte moderne Mobilitätsform zu etablieren. Radfahrende sollen als gleichwertige Verkehrsteilnehmende wahrgenommen werden. Sichere unterbrechungsfreie Wege motivieren zum Umsteigen. Der Anteil der Radfahrenden am Straßenverkehr wird gesteigert.


Das neue UrbanLand
REGIONALE-Projekt Radnetz OWL
Konzept für den lückenlosen, verkehrssicheren und zukunftsfähigen Alltagsradverkehr
Gemeinsame Radinfrastruktur
Weiteres Material zum Radnetz OWL
Deutscher Fahrradpreis: Siegerprojekte 2022

Astrid Butt Porträtfoto

Astrid Butt

Dipl. Oec. Astrid Butt ist Projektleiterin im Team der REGIONALE 2022 bei der OWL GmbH. Sie unterstützt die Entwicklung und Umsetzung von Projekten der vernetzen Mobilität zur Schaffung von optimalen, gleichwertigen Verbindungen in OstWestfalenLippe.

Foto: OWL GmbH

Linda Noack Frau Porträtfoto

Linda Noack

Dipl.-Geogr. Linda Noack ist Verkehrsplanerin beim Kreis Paderborn. Sie ist Spezialistin für die Konzeption von regionalen Radnetzen und Radschnellverbindungen.

Foto: Privat

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